Das Studio The New Raw druckt Hocker aus alten Hafentauen, die sich wie Bojen bewegen – ob das wohl komfortabel ist? Was steckt dahinter? Und kann man sie kaufen?

Die Idee: Sitzmöbel aus Plastikmüll mit Seegang

Im Hafen von Rotterdam liegt eine ganze Menge Zeug herum, das niemand mehr braucht. Zum Beispiel ausgediente Kunststofftaue, mit denen früher Boote festgemacht wurden. Das Rotterdamer Designstudio The New Raw hat daraus eine Reihe öffentlicher Sitzmöbel gemacht. Das Projekt heißt Buoy (englisch für Boje) und steht laut Dezeen auf der Shortlist der Dezeen Awards 2026 in der Kategorie nachhaltiges Design.

Kann man in diesen Stühlen wirklich gemütlich sitzen? (Foto: TheNewRaw)
Kann man in diesen Stühlen wirklich gemütlich sitzen? (Foto: The New Raw / Michèle Margot)

Die Hocker haben spitz zulaufende Böden, ähnlich wie ein Kreisel. Wer sich setzt, schaukelt leicht, wie eine Boje auf dem Wasser. Studiogründerin Foteini Setaki wollte damit den Bezug zum Hafen spürbar machen. Sitzen mit Seegang, quasi.

So werden aus alten Tauen Hocker

Setaki sammelte die Taue im Rotterdamer Hafen. Sie wurden nach Maastricht transportiert, dort gereinigt, geschreddert und mechanisch zu Pellets recycelt. Zurück im Studio wurde das Granulat geschmolzen und Schicht für Schicht per 3D-Druck zu den Hockern aufgebaut. Ein zusätzliches Bindemittel braucht es laut Setaki nicht, das Material verschmilzt beim Auftragen.

Schiffstaue sind schwer zu recyceln, weil sie aus einem Materialmix bestehen und über die Jahre allerlei Rückstände aufnehmen. Deshalb wählte das Team gezielt Taue mit besonders hohem Polypropylen-Anteil aus. Die Farben kommen von den ursprünglichen Tauen, es gibt weder Pigmente noch Beschichtungen. Jeder Hocker sieht daher ein bisschen anders aus und trägt eine eingravierte Chargen- und Produktionsnummer.

Wie nachhaltig ist das?

Es heißt, es kommt kein neues Plastik zum Einsatz. Ein kleiner Anteil Zusatzstoffe, unter anderem als UV-Schutz, soll die Möbel draußen haltbar machen. Diese Additive seien laut Setaki kompatibel mit einem erneuten Recycling. Auf der Projektseite des Studios nennt The New Raw außerdem 45 Kilogramm recyceltes Plastik und 117 Kilogramm eingesparte CO₂-Emissionen. Das sind eigene Angaben, eine unabhängige Prüfung haben wir nicht gefunden. Als Partner nennt das Studio Healix und IKM Hendrik Veder.

Könntet ihr euch das in eurem Garten vorstellen? (Foto: TheNewRaw)
Könntet ihr euch das in eurem Garten vorstellen? (Foto: The New Raw / Michèle Margot)

Fakt ist: Buoy ist ein Pilotprojekt und kein Produkt aus dem Möbelmarkt. Details zu Preisen, Stückzahlen und einen Verkauf gibt es nicht. Allerdings können sich Interessierte direkt an das Studio wenden . Ob es die Hocker auch in Deutschland geben wird, ist unklar und wohl auch unwahrscheinlich. Interessant ist der Ansatz trotzdem: Setaki sieht ihn als übertragbar auf andere Hafenstädte, jeweils mit eigenen Abfällen und lokalen Netzwerken. Ob man in Hamburg oder Rostock solche Sitz-Bojen gebrauchen könnte?

Wer mehr zu dem Thema lesen will: Wir haben schon über Precious Plastic berichtet, das Plastikmüll direkt vor der Haustür recycelt, und über Recycled Park, schwimmende Inseln aus Plastikmüll. Die Frage bleibt, ob sich so etwas jenseits von Designwochen und Hafenkais durchsetzt. Wir sind gespannt.

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