Karimoku New Standard und ASICS polstern Sofa und Sessel mit zerkleinertem Schaumstoff aus unverkauften Sneakern. Hört sich skurril an, ist aber eine interessante Idee.

Möbel aus alten Schuhen: Worum geht es?

Alte Turnschuhe enden bei den meisten von uns im Schrank und irgendwann im Müll. ASICS geht einen anderen Weg. Nicht verkaufte Schuhe und Musterpaare werden zerlegt und zu Polstermaterial für den japanischen Möbelhersteller Karimoku New Standard. Laut Dezeen wurde die Kollektion nun auch für den weltweiten Verkauf angekündigt, nachdem sie zu Jahresbeginn in Japan erfolgreich startete.

Witziges Detail: Die Idee entstand beim Sitzen, genauer gesagt bei der Planung von Sitzmöbeln für die Besprechungsräume im Tokioter ASICS Büro. Wer dort Platz nimmt, sitzt also quasi auf der Schuhsammlung des Hauses.

Vom Sneaker zum Sitzpolster

Laut Karimoku New Standard werden die Schuhe zerlegt, sortiert und zerkleinert, um den EVA-Schaumstoff zu gewinnen. EVA steht hierbei für „Ethylene Vinyl Acetate“. Das ist das leichte, weiche Material, das ihr von Zwischensohlen kennt. Er wird mit Baumwolle gemischt und mit einer drei Millimeter dünnen, verdichteten Schaumstoffplatte kombiniert. Das Verfahren stammt aus den Neocurve Sneakern von ASICS. Verbaut wird das Polster im Castor Lobby Sofa und im Polar Lounge Chair. Ein gesticktes Etikett erinnert an die Zusammenarbeit, und laut Hypebeast gibt es Bezüge, die mit dem dänischen Hersteller Kvadrat entwickelt wurden.

Dezent ist zu erkennen, dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt. (Foto: Karimoku New Standard)
Dezent ist zu erkennen, dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt. (Foto: Karimoku New Standard)

Den Schuh dazu gibt es übrigens schon länger. Laut Pressemitteilung von ASICS kam der Neocurve im Oktober 2024 zuerst in Europa auf den Markt. Er entsteht aus alten, fehlerhaften und unverkauften ASICS Beständen aus der EU, zerlegt wird er von der niederländischen Firma Fast Feet Grinded. Der Startpreis lag bei 250 Euro.

Wie nachhaltig ist das wirklich?

Uns gefällt der Ansatz: Material, das ohnehin angefallen ist und sonst entsorgt worden wäre, bekommt ein zweites Leben. Nüchtern betrachtet fehlen aber Zahlen. Wie hoch der Anteil des recycelten Materials im Polster ist, wie viele Schuhe in einem Sofa stecken und wie die Ökobilanz aussieht, verraten die Quellen nicht.

Das Sofa gibt es ebenfalls in verschiedenen Farben und Größen. (Foto: Karimoku New Standard)
Das Sofa gibt es ebenfalls in verschiedenen Farben und Größen. (Foto: Karimoku New Standard)

Fraglich ist auch, ob sich das Polster aus Baumwolle und Schaumstoff am Ende wieder trennen lässt. Dazu machen die Hersteller keine Angaben. Und ganz ehrlich: Das nachhaltigste Sofa bleibt meistens das, auf dem ihr schon sitzt.

Preis und Verfügbarkeit: Nicht ganz Sneaker-Budget

In Japan kosten die Stücke laut Preisliste vom Januar 2026 je nach Modell und Bezug zwischen etwa 143.000 und 694.100 Yen, vom kleinen Sessel bis zum Dreisitzer (Quelle: Houyhnhnm). Einen Preis in Euro haben wir nicht gefunden. Verkauft wird im Onlineshop von Karimoku und über ausgewählte internationale Händler. In Deutschland sollen die Sofas unter anderem bei United Landscapes in Stuttgart und Andreas Murkudis in Berlin erhältlich sein.

Minimalistisch und im Stil von IKEA - das Castor Lobby Sofa. (Foto: Karimoku New Standard)
Minimalistisch und im Stil von IKEA – das Castor Lobby Sofa. (Foto: Karimoku New Standard)

Wer Upcycling bei Schuhen spannend findet, wird auch bei unseren älteren Beiträgen fündig, etwa zu den Veja Sneakers aus recycelten Plastikflaschen und Maisabfällen oder zu Rens Schuhen aus Kaffee und Plastikmüll.

Und ihr? Würdet ihr euch auf ein Sofa aus alten Sneakern setzen?

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