Hitzeschutz ohne Klimaanlage: Das Londoner Start-up Shaded bietet eine Markise, die ihr von innen am Fenster einklemmt – ohne Bohren, Schrauben oder Werkzeug.
Die Idee hinter Shaded
Sommer 2022 in London: Die Temperaturen klettern auf bis zu 40 Grad, Klimaanlagen sind in britischen Wohnungen die Ausnahme. Die Architekturdesignerin Aimée Daniels sucht nach einer Lösung, findet sie und gründet 2023 Shaded. Ihr Produkt ist laut Dezeen eine abnehmbare Markise für Schiebefenster – „eine Alternative zur Klimaanlage“, wie sie selbst sagt. Nach Angaben des Magazins war die Markise in diesem Jahr dreimal ausverkauft.

Der Ansatz ist nicht neu, aber logisch: Laut Verbraucherzentrale NRW ist Sonnenschutz von außen am wirksamsten, weil die Wärme gar nicht erst in den Raum gelangt. Innenrollos werfen die Strahlung nur zurück, nachdem sie schon durchs Glas ist. Klimageräte, so die Verbraucherzentrale, bekämpfen nur die Symptome.
So funktioniert die Klemm-Markise
Laut Hersteller wird die Markise von innen am oberen Flügel des Schiebefensters befestigt: Flügel herunterziehen, Markise anklemmen, Flügel wieder hochschieben. Eine Person soll das in wenigen Minuten schaffen. Der Stoff ist wasserfestes Polyester (225 g/m²), die Markise ragt 0,5 Meter ins Freie, wiegt 850 Gramm und passt auf Fenster bis 1,2 Meter Breite. Sie ist für Gebäude bis 11 Meter Höhe bzw. vier Stockwerke gedacht und laut Shaded bis Windklasse 2 (Böen bis 38 km/h, entspricht Windstärke 5) geprüft.

Spannend ist die Wirkung. Und hier lohnt der nüchterne Blick: Laut Hersteller reduziert die Markise die Strahlung an Südfenstern um 41 und an Westfenstern um 33 Prozent. Die Startseite wirbt zudem mit „bis zu 10 °C“ kühleren Räumen, nennt aber keine Messmethode; auf der Produktseite stehen keine Temperaturwerte. Die zehn Grad solltet ihr also eher als Marketing-Obergrenze und nicht als Versprechen betrachten.
Wie nachhaltig ist die Markise?
Die Markise braucht keinen Strom, was schon einmal ein Vorzug ist. Zum Vergleich: Ein mobiles Klimagerät kostet laut Verbraucherzentrale NRW 300 bis über 1.000 Euro in der Anschaffung und je nach Typ 35 bis 140 Euro Strom im Jahr. Shaded wirbt außerdem mit Kreislaufdesign: Das Produkt soll sich zerlegen und von Anwendern reparieren lassen. Einzelne Teile sind komplett ersetzbar. Eine belastbare Ökobilanz nennt das Unternehmen nicht – und das Material bleibt Polyester, also Kunststoff.
Preis, Verfügbarkeit und Praxis in Deutschland
Die Markise kostet laut Herstellerseite 89 Pfund und ist in allen drei Farben (Coconut Milk, Forest Green und Poppy) derzeit ausverkauft. Stand Oktober 2026 gibt eine Warteliste mit Vorverkauf. Der größere Haken: Sie passt nur auf Schiebefenster (Sash-Fenster), die sich oben und unten öffnen lassen. Wer andere Fenster hat, geht leer aus. Regulär wird Shaded derzeit nicht nach Deutschland geliefert, bei einem konkreten Interesse könnt ihr euch aber persönlich an das junge Unternehmen wenden.

Auch rechtlich bleibt offen, was hierzulande gilt. Daniels sagt, ihre temporäre Lösung umgehe in Großbritannien den Genehmigungsaufwand für feste Markisen. Für Deutschland weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass für Markisen in Mietwohnungen die Erlaubnis des Vermieters nötig ist; ob das auch für eine Klemm-Markise gilt, ist nicht klar. Im Zweifel also vorher fragen.
Shaded ist vielleicht gegenwärtig weniger ein Produkt für den deutschen Markt, dafür mehr eine reizvolle Denkanregung: Schatten von außen ist günstig und stromlos. Laut Dezeen plant Daniels Modelle für weitere Fensterarten und weitere bezahlbare Passivlösungen.






