Palea Vita fertigt Wandmodule aus Holz und Stroh per Roboter und will graue Energie vermeiden. Was taugt der Strohbau im Wohnungsbau, und was bleibt offen?

Stroh ist eigentlich das, was nach der Getreideernte übrig bleibt. Das Start-up Palea Vita baut daraus Wände, und zwar nicht auf der Baustelle, sondern in einer Roboterstraße. Beim Innovations-Forum Baden-Württemberg in Künzelsau gab es dafür den Sieg im Saal: Im Themenfeld „klimaneutrales Bauen und Sanieren“ stimmte das Publikum für Palea Vita. Zwölf Unternehmen hatten dort ihre Verfahren vorgestellt, berichten die Veranstalter Neues Bauen – 80 Sekunden und das dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren / Energiesprong DE in ihrer Mitteilung vom 20. Oktober 2026.

Holz-Stroh-Module: Die Wand aus dem Baukasten

Im Kern ist so ein Modul ein Holzständerrahmen, den hochverdichtete Strohballen füllen. Außen schließen OSB-Platten ab, die sich mit Lehm verputzen lassen. Rund 110 Varianten für Wand-, Tür- und Fensterelemente gibt es laut dem Fachmedium Automationspraxis. Das ist also eher ein Baukasten als ein Einzelstück, gedacht für den seriellen Wohnungsbau. Jürgen Holz, Geschäftsführer von Holz Automation und Palea Vita, erklärt das Konzept in einem Video und vergleicht die Module mit LEGO-Bausteinen: Es gibt sie in verschiedenen Größen bis 2,5 Meter Breite, eine maximale Flexibilität wird hier versprochen.

Strohbau aus dem Roboter-Werk

Die Fertigung übernimmt eine Anlage des Sondermaschinenbauers Holz Automation aus Backnang. Sie hat sechs Stationen und arbeitet mit Fanuc-Robotern, die laut Bericht bis zu 165 Kilo tragen. Ein eigens entwickelter Stabgreifer setzt die Stabilisierungselemente ein und merkt dank Kraftbegrenzung, wenn etwas klemmt. Das Ziel: sieben Minuten Taktzeit pro Modul. Jedes Modul bekommt zudem einen DMC-Code, der die Produktionsdaten festhält.

So sieht eine Fertigungsstrecke aus. (Foto: Holz Automation GmbH)
So sieht eine Fertigungsstrecke aus. (Foto: Holz Automation GmbH)

Praktisch ist auch, dass sich die Anlage binnen weniger Tage an einen anderen Standort umziehen lässt. Weitere Stationen, etwa für Lehmputz oder Elektroinstallation, sind möglich. Für Holz Automation, bisher vor allem in der Autoindustrie unterwegs, ist es die erste Anlage für die Baubranche.

Wie nachhaltig ist das wirklich?

Palea Vita will graue Energie vermeiden und Kohlenstoff im Gebäude binden. Außerdem sollen die Wände gut dämmen, Feuchtigkeit regulieren und hohe Brandschutzanforderungen erfüllen. Das sind Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens, Zahlen dazu nennt keine unserer Quellen. Auch die Veranstalter betonen, dass alle Kennzahlen von den Firmen selbst stammen. Fraglich ist deshalb, wie groß der Klimavorteil gegenüber einer normalen Holzständerwand tatsächlich ausfällt. Ohne Ökobilanz bleibt das eine Behauptung.

Ob Palea Vita wirklich nachhaltig ist, ist bisher nicht ganz klar. (Foto: Holz Automation GmbH)
Ob Palea Vita wirklich nachhaltig ist, ist bisher nicht ganz klar. (Foto: Holz Automation GmbH)

Allein ist Palea Vita mit der Idee übrigens nicht: Die Halm GmbH fertigt laut einem älteren Bericht des Nordkurier ebenfalls Wandmodule aus Holz, Stroh und Lehm.

Preis, Verfügbarkeit, Genehmigung: viele Fragezeichen

Preise, Lieferzeiten und Referenzprojekte existieren gegenwärtig nicht. Auch gibt’s weder eine Webseite, noch einen Firmensitz. Der dürfte aber ohnehin mit dem der Holz Automation GmbH übereinstimmen. Weil das System auf den seriellen Wohnungsbau zielt, sind zunächst Wohnungsunternehmen die Kunden, nicht Privatleute mit Baugrundstück. Ob sich die Module auch für ein Einfamilienhaus bestellen lassen, ist offen. Zur Genehmigung gibt es nur die Herstellerangabe zum Brandschutz.

Unser Eindruck: Die Idee ist spannend, denn ein pflanzlicher Dämmstoff trifft auf serielle Fertigung. Interessant wird es aber erst mit belastbaren Dämmwerten, einer Ökobilanz und dem ersten fertigen Haus.

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