Heutige Textilfasern für Kleidung schädigen die Umwelt. Norratex von Nordic Bioproducts zeigt, wie es besser geht. Die Technologie könnte sogar Fast Fashion recyceln.

Textilindustrie braucht neue Fasern

Die Textilindustrie hat ein Problem: Sie ist in vielen Bereichen nicht nachhaltig und verantwortlich für viele Probleme der Vergangenheit und Gegenwart. Die Produktion von Baumwolle ist ressourcenintensiv, da diese längst in trockenen Regionen angebaut wird. Die künstliche Bewässerung führt zur Versalzung der Böden und hat Katastrophen wie das Austrocknen des Aralsees zur Folge. Polyester wiederum basiert in der Regel auf Erdöl und sorgt für Mikroplastik. Und für Viskosefasern basierend auf Holz werden Giftstoffe wie Schwefelkohlenstoff benötigt.

Norratex ist eine Alternative zu Baumwolle und anderen Fasern. (Foto: Photino Science, Pentti Pällijeff)
Norratex ist eine Alternative zu Baumwolle und anderen Fasern. (Foto: Photino Science, Pentti Pällijeff)

Es braucht also zwingend umweltverträgliche Alternativen, die es glücklicherweise gibt. Ein Neuzugang stammt von Nordic Bioproducts, einer Startup-Ausgründung der Aalto-Universität in Finnland. Die Norratex genannte Textilfaser bietet einige spannende Vorteile.

Norratex und Fast Fashion-Recycling

Bei Norratex wird Zellulose umweltschonend und kostengünstig hydrolysiert, danach erfolgt eine Verarbeitung der Faser zu einer viskoseähnlichen Textilfaser. Ungewöhnlich ist sicherlich, dass Nordic Bioproducts Nebenprodukte aus der Forstindustrie, Textabfälle und sogar gewöhnlichen Papierzellstoff nutzen kann, um daraus hochwertige Textilfasern herzustellen.

Darüber hinaus kann die eingesetzte Technologie und das eigens entworfene AaltoCell-Verfahren für Textilrecycling eingesetzt werden. Vor allem bei Fast Fashion kommen Fasermischungen zum Einsatz, die aus Natur- und Kunststofffasern bestehen. Diese zu trennen ist bisher wenig effizient, kostspielig und kaum nachhaltig. Doch Nordic Bioproducts konnte in ersten Testläufen zeigen, dass es möglich ist, Naturfasern sauber von Kunststoffen abzusondern und diese für neue Textilfasern zu benutzen.

Oder anders gesagt: Mit AaltoCell könnte man perspektivisch im großen Stil entsorgte Kleidung wiederverwenden. Vielleicht könnte mit solchen Lösungen die Atacama-Wüste in Chile gerettet werden? Sie ist mittlerweile die Mülldeponie der Fast-Fashion-Industrie.

Umweltfreundlichere Kleidung

Norratex braucht keine giftigen Chemikalien oder teure Lösungsmittel, ist also auch aus diesem Grund für Hersteller von Kleidung interessant. Ebenfalls besitzt das Garn einen leichten Glanz, was sicherlich attraktiv anzusehen ist. Nordic Bioproducts konnte bereits CMPC ins Boot holen – das ist einer der größten Zellstoffproduzenten der Welt.

Innerhalb weniger Monate fanden die Erfinder von Norratex eine Lösung für die biobasierte Faser. (Foto: Photino Science, Pentti Pällijeff)
Innerhalb weniger Monate fanden die Erfinder von Norratex eine Lösung für die biobasierte Faser. (Foto: Photino Science, Pentti Pällijeff)

In einem Jahr soll die Herstellung von Norratex-Textilfasern im Pilotmaßstab beginnen. Das Ziel ist eine professionelle Fertigung, quasi für den Massenmarkt. Frühestens also 2023 können wir wohl mit ersten Produkten basierend auf dieser biobasierten Textilfaser rechnen. Aber auch die Tatsache, dass die Forscher bei Nordic Bioproducts das Recyling von Fast Fashion anstreben, macht deutlich: In der Textilindustrie bewegt sich etwas zum Guten. Auch wenn es natürlich besser wäre, so etwas wie „Wegwerfklamotten“ würde es gar nicht mehr geben.

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