Sieht wie Holz aus und fühlt sich so an, ist aber besser: Das Material Acre besteht aus recyelten Reishülsen. Und das hat einige Vorteile.

Acre könnte in Zukunft noch eine große Rolle spielen, denn es besitzt die Eigenschaften von Holz, besteht aber aus etwas, das sonst auf der Deponie landen würde. Der Hauptbestandteil sind Hülsen bzw. Spelze von Reis, in denen sich die essbaren Körner befinden. Sie fallen während der Reisernte an und werden in der Regel nicht mehr benötigt.  

Acre als Alternative zum Holz

Acre stammt von dem Unternehmen Modern Mill, das sich auf diesen eigenen Aussagen zufolge sehr nachhaltigen Baustoff konzentriert. Auf den ersten Blick erinnern die daraus produzierten Platten zum weiteren Verarbeiten tatsächlich an Holz. Allerdings muss kein Baum für die Fertigung gefällt werden. Stattdesen verarbeitet Modern Mill Reishülsen, die ein Abfallprodukt sind. Spannend: Auch auf Phenol, Formaldehyd und Klebstoffe wird gänzlich verzichtet.

Acre lässt sich verarbeiten wie normale Holzplatten. (Foto: Modern Mill)
Acre lässt sich verarbeiten wie normale Holzplatten. (Foto: Modern Mill)

Acre lässt sich genauso wie Holz einsetzen. Auch hier gibt’s eine körnige Textur und eine angenehme, warme Farbe. Veredeln, beizen, bemalen, bedrucken, Löcher bohren – alles kein Problem. Allerdings ist Acre sehr viel leichter als eine vergleichbare Holzplatte. Und es lässt sich im Gegensatz zum „Original“ thermoplastisch verformen. Es kann also durch Hitze in eine gewünschte Form gebracht werden.

Thermoplastisch heißt: Acre lässt sich bei Hitzezufuhr verformen. (Foto: Modern Mill)
Thermoplastisch heißt: Acre lässt sich bei Hitzezufuhr verformen. (Foto: Modern Mill)

Überraschend ist sicherlich die Tatsache, dass Acre unempfindlich gegenüber Regen sowie Schnee ist und UV-Licht weniger schadet. Hier übernimmt der Stoff die Eigenschaften der schützenden Reishülle. Das führt dazu, dass Gegenstände aus Acre nicht schnell reißen oder gar faulen.

Aus Acre werden Gartenmöbel

Es klingt also durchaus nach einem erstaunlichen Material, das Modern Mill hier geschaffen hat. Hergestellt wird Acre in einer Zero-Waste-Anlage in Mississippi (USA) – wohl aus gutem Grund. Dort wird auch im großen Stil Reis angebaut. Der Abfall kann also gleich vor Ort in Acre verwandelt werden. Von da aus geht’s zum Beispiel zum Unternehmen Grand Rabids Chair, das zu den ersten Herstellern gehört, welche aus dem Holz-Konkurrenten Möbel fertigt.

Die Tische aus Acre sind allerdings sehr kostspielig. (Foto: Grand Rabids Chair)
Die Tische aus Acre sind allerdings sehr kostspielig. (Foto: Grand Rabids Chair)

Genannte Eigenschaften von Acre scheinen optimal für Gartenmöbel wie Tische und Stühle zu sein. Und so entstand die sogenannte Bowen-Kollektion mit einem klassischen gerahmten Tisch und Acre als Oberflächenmaterial. Diverse Varianten, Formen und Farben stehen zur Verfügung.

Hoher Preis für Upcycling-Möbel

Günstig sind diese Objekte für Terasse, Garten und Balkon nicht, obwohl sie zum Teil aus dem Upcycling-Baustoff bestehen. Ein Stehtisch beginnt bei etwas über 1000 US-Dollar, ein Gemeinschaftstisch für große Familien oder Unternehmen liegt bei meht als 2500 US-Dollar.

Doch Grand Rabids Chair legt größten Wert auf Design und Qualität – es sind also eher Luxusprodukte.

Nachhaltiges Bauen mit Acre

Zweifelsohne ist Acre überaus vielversprechend und könnte als Baustoff in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Allerdings werden Reishüllen bisher häufig verbrannt, kompostiert oder als Dünger verwendet. Es ist also fraglich, ob perspektivisch überhaupt genügend „Rohstoff“ für die Umwandlung in das Holz-ähnliche Material zur Verfügung steht, um zum Beispiel beim großen Trend „nachhaltiges Bauen“ von Relevanz zu sein.

Geht’s nach Modern Mill, dann wird Acre auch in diesem Bereich mitmischen. Bei den derzeit steigenden Holzpreisen braucht die Baubranche solche Alternativen. Und wir „normale Menschen“ werden wohl zuerst in Kontakt mit Acre in Form von Möbeln wie von Grand Rabids Chair kommen…