Straßenlampen unterstützen das Insektensterben, erhöhen die Lichtverschmutzung und verbrauchen Energie. Dass es besser gehen kann, zeigt Papilio.

Papilio ist ein Projekt des in Berlin lebenden Produktdesigners Tobias Trübenbacher. Er entwarf eine fast schon futuristisch anmutende Straßenlampe, die durch Windkraft Energie erzeugt. Aber sie ist auch so konstruiert, dass sie Lichtverschmutzung reduziert und somit auch das tagtägliche Insektensterben senkt.

Sie produziert Energie und reduziert die Lichtverschmutzung. (Foto: Tobias Trübenbacher)
Sie produziert Energie und reduziert die Lichtverschmutzung. (Foto: Tobias Trübenbacher)

Warum die Straßenlaterne ein Update braucht

Es gib viele Gründe, die klassische Straßenlampe neu zu denken, wie Tobias auch auf seiner Webseite schreibt. 2,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid entstehen allein durch Straßenbeleuchtung jedes Jahr in Deutschland. Zugleich steigt die weltweite Lichtverschmutzung Jahr für Jahr. Laut einer (etwas älteren) Emnid-Umfrage haben 44 Prozent der unter 30-Jährigen hierzulande noch nie die Milchstraße gesehen – auch dank der von Menschen geschaffenen Lichtquellen.

Nicht minder tragisch: Durch den sogenannten „Staubsaugereffekt“ zieht es Insekten zu künstlichen Lichtquellen. Sie verlassen ihren eigentlichen Lebensraum, gehen nicht mehr der Nahrungs- oder Partnersuche nach, werden von Feinden gefressen oder verenden an bzw. in der Lichtquelle. Schätzungen zufolge tötet Straßenbeleuchtung in Deutschland über 60 Milliarden Insekten allein im Sommer.

Was tun? Den Straßenlaternen der Vergangenheit und Gegenwart ein Update verpassen. Die Lösung von Tobias Trübenbacher ist hier zweifelsohne ein kreativer Ansatz.

Aus diesen wenigen Komponenten besteht Papilio. (Foto: Tobias Trübenbacher)
Aus diesen wenigen Komponenten besteht Papilio. (Foto: Tobias Trübenbacher)

Das bietet die Straßenlampen-Alternative Papilio

Der integrierte 300-Watt-Windgenerator lässt Papilio Energie erzeugen. Dem verwendeten Savonius-Rotor ist sogar die Windrichtung „egal“, er kann in der diagonalen und vertikalen Ausrichtung Strom produzieren. Dadurch lassen sich Fahrtwinde von Autos oder Zügen genauso nutzen wie den natürlich aufkommenden Wind. Dank eines Akkus kann Papilio auch autark betrieben werden. Die Leuchte gewinnt also die Energie, die sie selbst benötigt. Überschüsse werden ins Netz eingespeist.

Lichtverschmutzung minimiert Papilio durch seine „Full-Cut-Off“-Gestaltung. Licht wird somit nur nach unten abgestrahlt. Die Farbtemperatur von 2800 Kelvin ist für Insekten weniger attraktiv, auch ist der Blauanteil des Lichts geringer. Die Straßenlaterne schaltet sich übrigens nur dann ein, wenn ein Infrarotsensor Bewegungen erkennt. Das senkt zusätzlich den Energieverbrauch.

Tobias Trübenbacher mit einem Teil seiner Straßenlampe Papilio. (Foto: Tobias Trübenbacher)
Tobias Trübenbacher mit einem Teil seiner Straßenlampe Papilio. (Foto: Tobias Trübenbacher)

Bisher nur ein Prototyp

Tobias Trübenbacher betont, dass es sich bisher um einen Prototypen handelt. Doch gemeinsam mit dem Unternehmen Selux ist eine Serienfertigung geplant. In den kommenden Monaten könnte Papilio mit etwas Glück schon erhältlich sein. In erster Linie ist die Lampe für den öffentlichen Raum und weniger für den Privatgebrauch gedacht.

Eine Vision für die Zukunft? Straßenlaternen, die in der Großstadt Strom produzieren. (Foto: Tobias Trübenbacher)
Eine Vision für die Zukunft? Straßenlaternen, die in der Großstadt Strom produzieren. (Foto: Tobias Trübenbacher)

Ein spannender, zeitgemäßer Ansatz für die Stadt der Zukunft. Und Papilio ist auch ein weiteres Beispiel dafür, dass eigentlich alles Bestehende umweltfreundlicher, nachhaltiger, intelligenter, effizienter und besser werden kann.