„Nachhaltige Produkte sind die Zukunft“ – so heißt es bei Doli, Anbieter der Glas-Trinkflasche Doli Bottle. Doch sobald etwas nicht stimmt, sollt ihr besser eine neue Flasche statt Ersatzteile kaufen.

Ich bin verärgert. Vor knapp drei Jahren testete ich die Glas-Trinkflasche von Doli, die ich nach wie vor sehr regelmäßig nutze. Wieso auch nicht? Die Silikon-Hülle schützt die Flasche zuverlässig, insgesamt ist die Doli Bottle robust und flexibel. Dummerweise aber bilden sich im Silikondeckel seit einiger Zeit schwarze Flecken, die an Schimmel erinnern. Reinigen lässt sich das nicht mehr, ich bräuchte also einen neuen Deckel. Und hier fing es an…

Das Problem: Kein neuer Deckel für die alte Flasche

Auf der Doli-Webseite verkauft das Gründer-Duo Anatoli Teichrib und Sarina Vieth unverändert die Trinkflasche, mittlerweile auch weitere ähnliche und eigenen Aussagen zufolge nachhaltige Produkte. Ein neues Modell meiner „alten“ Trinkflasche ist seit einiger Zeit erhältlich. Diese besitzt einen Schraubverschluss und einen neuen Deckel aus Edelstahl. Der passt (natürlich) nicht auf die alte Flasche. Also fragte ich mal direkt nach, ob es noch einen Silikonverschluss für meine Flasche zu kaufen gäbe…

Die neue Doli-Flache besitzt einen besseren Deckel. Aber für das alte Modell gibt es keinen mehr. (Foto: Doli)
Die neue Doli-Flache besitzt einen besseren Deckel. Aber für das alte Modell gibt es keinen mehr. (Foto: Doli)

Als Antwort erhielt ich: „Du kannst den Glaskern tauschen und einen neuen Deckel dazu bestellen.“ Das heißt so viel wie: Ich muss mir eine neue Glasflasche zulegen, die zusammen mit dem neuen Deckel bei rund 20 Euro liegt. Neupreis einer kompletten Flasche mit Schutzhülle: Knapp 28 Euro (0,5l). Dabei wollte ich doch nur einen Deckel und nicht noch eine weitere Flasche.

Auf meine Frage, ob es nicht eine bessere Lösung gäbe, hieß es: „Da wir die „alte“ Version seit 1,5 Jahren gar nicht mehr haben, haben wir auch keine Deckel mehr.“ Ja, kapiere ich. Nur was hat das eigentlich mit Nachhaltigkeit zu tun, die sich Doli schließlich auf die Fahnen geschrieben hat?

Was heißt Nachhaltigkeit wirklich?

Was verstehen wir unter Nachhaltigkeit? Fair produziert? Umweltfreundliche Materialien? Langlebigkeit? Reparierbarkeit? Bei Doli Bottles bin ich mir nicht so sicher, was Anatoli Teichrib und Sarina Vieth genau meinen. Auf jeden Fall ist die Reaktion auf meine Frage, ob die Trinkflasche und das fehlende Zubehör denn nachhaltig seien, unbefriedigend. Denn gesagt wurde mir: „Aber es ist auch nicht nachhaltig etwas zu produzieren, nur für den Fall, dass irgendwann mal ein Ersatzteil benötigt wird, von Produkten, die schon lange nicht mehr verkauft werden.“

Die Glasflasche müsste ich wegwerfen, obwohl sie noch in Ordnung ist. (Foto: Sven Wernicke)
Die Glasflasche müsste ich wegwerfen, obwohl sie noch in Ordnung ist. (Foto: Sven Wernicke)

Genau das ist der Punkt: Soll ich ein Produkt wie die Doli Bottle nun möglichst lange verwenden, was eben nachhaltig wäre? Oder soll ich mir alle zwei Jahre wie ein neues Smartphone auch eine weitere Flasche zulegen, wenn irgendwas kaputt geht? Mitbewerber wie Soulbottles oder Dopper zeigen, dass man auch für „uralte“ Flaschen Zubehör bekommt. Bei Doli erhalte ich dagegen eine fragwürdige Argumentation. Als sei es völlig unproblematisch Glasflaschen zu produzieren. Die kommen vermutlich nach wie vor aus China. Bekanntlich wird für die Produktion hochwertiger Sand benötigt, der zunehmend knapper wird. Ersatzteile, gerade kleine aus Silkon, dürften einen besseren CO²-Fußabdruck besitzen als eine Flasche.

Buzzword Nachhaltigkeit

Was mich wirklich stört, das ist der zunehmend verantwortungslose Umgang mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“. Wiederverwenden statt Einweg bzw. Wegschmeißen nach dem Verwenden – natürlich, gute Sache. Aber wenn mir schon nach weniger als zwei Jahren kein Zubehör mehr angeboten wird, hat das nichts mehr mit Nachhaltigkeiz zu tun. Ich soll wieder Neues kaufen, statt etwas zu „reparieren“. Konsum, damit die Kasse klingelt. Aber hey – für jede verkaufte Flasche wird 1 Euro zur Rettung der Meere gespendet. Das fühlt sich nicht besser an.

Versteht mich nicht falsch: Ich mag die Doli-Flasche sehr. Sie liegt gut in der Hand, aus ihr lässt es sich hervorragend trinken, sie ist ein ständiger Begleiter. Es geht mir um das Grundsätzliche. Solche „Kleinigkeiten“ sorgen für Unmut beim Kunden, der zu Recht hinterfragt, wie ernst es ein Anbieter mit der „Nachhaltigkeit“ meint. In dem Fall ist mir das nicht klar. Und Positivbeispiele zeigen mir, dass es Konkurrenten im sowieso beliebten, vermutlich ertragreichen Mehrwegflaschen-Business hinbekommen, lange Zeit Zubehör zur Verfügung zu stellen. Vermutlich hätten die Verantwortlichen bei Doli schon im Vorfeld einkalkulieren müssen, dass in den kommenden Jahren noch Ersatzteile benötigt werden. Es ist nicht schön, ungenutzte Waren längere Zeit zu lagern. Aber es ist für mehr Nachhaltigkeit wohl nötig.

Hinterfragen ist nötig!

Für die Zukunft weiß ich: Vor dem Kauf nachhaltiger Produkte, die mich längere Zeit begleiten sollen, muss ich mich besser informieren und hinterfragen. Und Startups sollten sich selbst regelmäßig reflektieren und sich Gedanken darüber machen, was Nachhaltigkeit für sie bedeutet. Egal, ob ernsthafter Teil der Unternehmensphilosophie oder „USP“ für Kunden – in beiden Fällen braucht es einen längeren Support. Denn sonst sind wir recht schnell wieder beim Wegwerfprodukt…