LEGO und Nachhaltigkeit? Wie passt das zusammen? Die Botanical Collection zeigt, wohin die Reise für den dänischen Bauklotz-Hersteller geht.

Als größter Spielzeughersteller der Welt ist es sicherlich eine echte Herausforderung, von Kunststoff auf Erdölbasis auf nachhaltigere, umweltfreundlichere Alternativen zu wechseln. Aber LEGO tastet sich langsam heran – an eine Zukunft, bei der zum Beispiel die berühmten Bauklötze aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Vermutlich ist die LEGO Botanical Collection, die sich übrigens explizit an ein älteres Publikum richtet, ein Experiment mit Blick auf die kommenden Jahre.

Vor allem die grünen Komponenten bestehen aus Zuckerrohr. (Foto: LEGO)
Vor allem die grünen Komponenten bestehen aus Zuckerrohr. (Foto: LEGO)

LEGO Botanical Collection hilft beim Entspannen

Die LEGO Botanical Collection möchte vor allem Erwachsenen beim Entspannen helfen. Die botanische Sammlung besteht aus einem Blumenstrauß und einem Bonsai-Baum. Beim Zusammenbau sollen sich zum Beispiel die Eltern erholen und vom stressigen Alltag etwas abschalten. Trotzdem ist auch Kreativität gefragt, denn die Blumen lassen sich anpassen und nach eigenen Vorstellungen zusammensetzen.

Die Löwenmäulchen, Rosen, Mohnblumen, Gänseblümchen und Astern ergeben ein 756-teiliges Set, das nie gegossen werden muss. Wie praktisch. Der Mini-Baum wird aus 878 Komponenten gebaut. Mit dabei sind rosafarbene Kirschlüten und grüne Blätter.

Die pflanzlichen Kunststoff-Elemente bestehen hierbei aus nachhaltig gewonnenem Zuckerrohr. Das heißt also auch: Noch sind etliche Bausteine unverändert aus herkömmlichem Plastik. Aber es ist ein Anfang. Und auch optisch sehr schön, wie ich finde.

LEGOs (glaubwürdige) Nachhaltigkeitspläne

Es ist immer schwierig: Mir fällt es oftmals schwer zu glauben, dass es riesige Konzerne mit der Nachhaltigkeit ernst meinen könnten. Im Fall von LEGO nehme ich es dem Unternehmen durchaus ab, denn man macht kein Geheimnis daraus: Es geht auch ums Geld. Konsumenten entscheiden sich mehr und mehr gegen Spielzeug, das umweltschädlich ist. Davon abgesehen: LEGO-Bausteine benötigen zwischen 100 und 1300 Jahre, um sich zu zersetzen. Es müssen also Lösungen her, um auch in den nächsten Jahren den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden und die Welt nicht mit (potenziell) gefährlichem Müll zu belasten.

Die beiden Baukästen der Botanical Collection richten sich an Erwachsene. (Foto: LEGO)
Die beiden Baukästen der Botanical Collection richten sich an Erwachsene. (Foto: LEGO)

Bereits vor einigen Jahren präsentierte LEGO das Ziel, bis (spätestens) 2030 komplett nachhaltig zu agieren. Seit 2012 wird sogar schon nach Kunststoffen aus nachhaltigen Ressourcen gesucht. In neun Jahren also soll „Rebuild the World“ abgeschlossen sein. 2025 möchte LEGO komplett auf Plastikverpackungen verzichten. Legosteine sollen aber zeitnah in Papiertüten ausgeliefert werden: In den nächsten eins, zwei Jahren wird dies intensiv getestet.

Viel Geld für die Forschung

Interessant: In den vergangenen Jahren wurden 15 Prototypen für neue, bessere und auch leichter zu öffnende Packungen entworfen. Für 130 Millionen Euro entstand das „Sustainable Materials Centre“ am Hauptsitz in Dänemark, wo neue, nachhaltige Werkstoffe nicht nur für Verpackungen, sondern auch für die beliebten Bausteine entstehen. Insgesamt möchte man in den kommenden Jahren umgerechnet über 330 Millionen Euro in Forschung, Entwicklung, aber auch Bildung stecken. LEGO will Kindern unter anderem spielerisch Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und Umweltschutz näherbringen. Klar, auch hier geht’s am Schluss ums Etablieren der Marke, Zielgruppen und Verkauf.

Das erste konkrete Ergebnis sind übrigens „Pflanzen aus Pflanzen“, wie es LEGO nennt. Bäume, Blätter und Büsche wie beim Blumenstrauß und beim Bonsai bestehen zu 98% aus pflanzenbasierten Materialien, allen voran Rohrzucker. Der wird über den World Wildlife Fund bezogen, ist zertifiziert nach Bonsucro Kontrollkettenstandards und nachhaltig gewonnen. Beständig, wiederverwendbar, sicher und qualitativ überzeugend sollen die „besseren“ LEGO-Bausteine sein – und hier glaube ich es dem Konzern, dass das alles andere als eine Leichtigkeit ist, komplexe Prozesse bei der Herstellung innerhalb kürzester Zeit zu ändern.

Und woran LEGO auch arbeiten muss: Der neue Kunststoff ist nicht biologisch abbaubar.

LEGO Blumenstrauß und Bonsai bereits erhältlich

Seit Mitte Januar 2021 ist der LEGO 10280 Creator Expert Blumenstrauß bereits für knapp 50 Euro erhältlich, zum Beispiel bei Amazon. Der Bonsai (LEGO 10281 Creator Expert) liegt preislich ebenfalls bei rund 50 Euro.

Wenn’s noch nachhaltiger sein soll, könnten LEGO-Alternativen wie Qurkies oder Edo spannend sein.