Fast 7 Milliarden Einwegmasken werden tagtäglich weggeworfen. Dabei könnten sie sinnvoll für den Straßenbau genutzt werden.

Die Pandemie lässt Zero Waste, Umweltschutz und Recycling in den Hintergrund rücken. Restaurants und Cafés kämpfen ums Überleben – sie brauchen entsprechende Verpackungen für ihren Außer-Haus-Verkauf. Und beim Einkaufen oder Bahnfahren benötigen wir mittlerweile medizinische Einwegmasken, die nur mit Tricks längere Zeit nutzbar sind. Wir produzieren also noch mehr Müll, obwohl doch eigentlich das Gegenteil das Ziel war. Wir brauchen frische Ideen! Und die existieren längst. Aus entsorgten Masken könnten beispielsweise neue Straßen, Fuß- oder Fahrradwege entstehen.

Das Problem mit den Einwegmasken

FFP2- FFP3- oder auch „normale“ OP-Masken bestehen unter anderem aus nicht recycelbarem Plastik, sie verrotten daher niemals vollständig. Kein Wunder also, dass wir der Natur nur schaden können, wenn wir sie achtlos wegwerfen. Eine fachgerechte Entsorgung im Restmüll (nicht Gelbe Tonne!) ist daher nötig. Aber: So landet der Mund-Nasen-Schutz zwangsläufig auf der Deponie oder in der Müllverbrennungsanlage. Dass viele Masken auch noch giftige Chlorverbindungen enthalten, sei hier nur nebenbei erwähnt.

Was haben wir auch für eine Wahl? Wir müssen uns schützen, aber Hersteller setzen nicht auf natürliche oder recycelfähige Materialen. Davon abgesehen dürfte es aufgrund virenbelasteter Oberflächen problematisch oder zumindest aufwändig sein, gebrauchte Masken wiederzuverwerten. Neue Ansätze müssen her – und einer kommt von Forschern der RMIT University in Melbourne, Australien.

Einwegmasken zum Bau neuer Straßen

Covid-19-Einwegmasken könnten künftig für Fahrbahnuntergründe genutzt werden. Dies hätte sogar einige Vorzüge. In experimentellen Versuchen wurden zerkleinerte Einwegmasken mit Beton gemischt, um so die Basis für einen neuen Stoff zu schaffen.

Der Ansatz ist nicht grundsätzlich neu, es gab schon einige Versuche, Plastikmüll auf diese Weise zu recyceln. Aber in diesem konkreten Fall verfügt das neue Betonaggregat mit dem Kunststoffanteil über eine höhere Haltbarkeit und Flexiblität sowie eine bessere Dehnbarkeit (bei sich ändernden Witterungsbedingungen) als herkömmlicher Beton oder Steinbelag.

So stellen sich die Wissenschaftler die Wiedervertung vor. (Foto: sciencedirect.com)
So stellen sich die Wissenschaftler die Wiedervertung vor. (Foto: sciencedirect.com)

Interessant ebenfalls: Die Baukosten für Straßen aus Einwegmasken sind bis zu 30 Prozent niedriger. Und zugleich würde jede Menge Abfall sinnvoll verwertet und wäre der CO²-Ausstoß bei der Herstellung von Fahrbahnuntergründen niedriger. Für eine zweispurige Straße mit einer Länge von einem Kilometer bräuchte man übrigens rund drei Millionen Masken (entspricht 93 Tonnen).

Tropfen auf die heiße Straße?

Die Forscher gehen davon aus, dass täglich (!) weltweit rund 6,8 Milliarden Masken weggeworfen werden. Diese für den Straßenbau verwenden zu wollen, ist vermutlich ein Ding der Unmöglichkeit. Andererseits verdeutlicht dieser Ansatz die dringende Notwendigkeit, sich mit dem neuen Müllproblem auseinandersetzen zu müssen. Auch, weil uns die Einwegmasken noch längere Zeit begleiten werden.

In eine ebenfalls interessante Richtung geht das französische Startup Plaxtil, das aus gebrauchten Masken den gleichnamigen und flexibel einsetzbaren Kunststoff fertigt. Es gibt also erste spannende Wege.

Eine Analyse und wissenschaftliche Zusammenfassung der Mitarbeiter der RMIT University findet ihr bei sciencedirect.com.