The Ocean Cleanup

Designer-Sonnenbrille aus Ozeanmüll

27. November 2020 • 13:52 Uhr

Eine ganz besondere Brille. (Foto: The Ocean Cleanup)

Das Projekt The Ocean Cleanup möchte nicht nur die Weltmeere vom Plastikmüll befreien, sondern den Abfall auch verwerten. Ein erstes Produkt ist eine edle Sonnenbrille.

Der Niederländer Boyan Slat startete 2013 das Projekt The Ocean Cleanup mit einer Vision: Mit modernen Technologien sollen die Unmengen an Plastikabfällen, die in den Ozeanen dieser Welt schwimmen, eingesammelt und im besten Fall wiederverwertet werden. Spezielle Anlagen wurden von den mittlerweile rund 95 Mitarbeitern entworfen, viele Sammel-Aktionen scheiterten in der Vergangenheit. Doch seit 2019 funktioniert das „Fangen“ der in den Meeren entsorgten Kunststoffe, sodass ein sinnvolles Verwenden des Mülls beginnen kann. Los geht’s mit einer schicken Designer-Brille, der man ihren Ursprung auch ansieht.

Boyan Slat mit "seiner" Sonnenbrille. (Foto: The Ocean Cleanup)
Boyan Slat mit “seiner” Sonnenbrille. (Foto: The Ocean Cleanup)

Daraus besteht die Sonnenbrille von The Ocean Cleanup

Boyan Slat betrachtet den bisher gesammelten Plastikmüll als Rohstoff für eine neue Wertschöpfungskette. Völlig neu ist das nicht, längst gibt’s viele Ansätze, neue Produkte zum Beispiel aus alten Plastikflaschen entstehen zu lassen. Allerdings sollen Gewinne aus dem Verkauf der Sonnenbrille von The Ocean Cleanup dazu dienen, die nächsten Säuberungsmaßnahmen zu finanzieren. Und eines ist auch klar: Die Brille ist ein Blickfang und möchte für Besitzer ein praktisches Untesil sein, das man lange tragen möchte. Und: Sie lässt sich leicht reparieren oder für ein entgültiges Recyling demontieren.

Allerdings gab’s beim Entwerfen des Accessoires einige Herausforderungen zu meistern. Denn das Plastik schwamm bereits seit Jahrzehnten im Meer und war dadurch ziemlich „spröde, degradiert und sehr gemischt“, so Slat. Das führt dazu, dass das erzeugte Material nicht ganz homogen, sondern eher wellenförmig aussieht. Andererseits hinterlässt die Sonnenbrille dadurch einen sehr individuellen Eindruck. Im Bügel befindet sich ein QR-Code, der darüber Auskunft gibt, woher der Müll stammt. Zum Einsatz kommt stets wiederverwertes Polypropylen, beispielsweise von alten Fischernetzen. Das mitgelieferte Etui und der dazugehörige Beutel wurden unter anderem aus recycelten PET-Flaschen hergestellt.

Recycling-Sonnenbrille aus Italien

Die Sonnenbrille von The Ocean Cleanup entwarf der US-Designer Yves Béhar. Von Safilo wird sie in Italien produziert. Vielleicht auch aus diesem Grund wirkt das Resultat recht edel und hochwertig. Das spiegelt sich im Preis wider: 199 Euro soll ein Exemplar kosten. Der Verkauf einer Brille erlaube eine Reinigung einer Meeresfläche, die zirka 24 Fußballfeldern entspricht.

Die Aussage von Boyan Slat klingt ist auch passend: „Wir können diesen Müll nutzen, um noch mehr Müll zu beseitigen: Der Kreis schließt sich, immer und immer wieder, bis wir unser Ziel der sauberen Ozeane erreicht haben.“

Persönlich finde ich die Sonnenbrille von The Ocean Cleanup nicht nur attraktiv, sondern hinter dem Produkt steckt auch eine gute Idee, der Boyan Slat konsequent folgt. Sämtliche Gewinne werden wieder ins Säubern der Meere gesteckt, hier geht’s also nicht um maximale Gewinne und eine Pseudo-Nachhaltigkeit, wie sie viele „hippe Startups“ an den Tag legen. Klar, wir reden letztlich über einen Premium-Preis, andererseits müssen die kostspieligen, dafür aber uneigennützigen Projekte von The Ocean Cleanup finanziert werden. Und: Die Philosophie „From trash to treasure“ ist doch eigentlich unterstützenswert, oder?

Erhältlich ist die Sonnenbrille im offiziellen Shop.



Über Sven

Dass es nicht nur alberne und eigentlich total überflüssige Gadgets gibt, möchte Sven mit GreenGadgets.de beweisen. Denn er ist davon überzeugt, dass auch kleine Ideen, Produkte und "Spielzeuge" die Menschen bereichern können. Abgesehen davon ist Sven als freiberuflicher Berater und Schreiberling tätig. Mehr über ihn gibt's auf Wernicke.net.


Dieser Beitrag wurde am 21. Dezember 2020 zuletzt aktualisiert.

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