Nachhaltige Weihnachtsbäume

Feiern ohne schlechtes Gewissen

7. Dezember 2018 • 17:22 Uhr

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Wie wäre es mit etwas anderen Weihnachtsbäumen? (Foto: Photo by Chang Duong / Unsplash)

Gibt es eigentlich nachhaltige Weihnachtsbäume und Ideen, bei denen keine Tannen gefällt werden müssen? Wir haben ein paar kreative Ansätze herausgepickt…

Ein Weihnachtsfest ohne Baum? Für viele von uns sicherlich unvorstellbar. Aber alleine 2017 wurden in Deutschland 29,5 Millionen Bäume gefällt, transportiert, verkauft und entsorgt. Nachhaltig? Umweltfreundlich? Zumindest ist das alljährliche Vorgehen der Menschen etwas fragwürdig. Vielleicht habt ihr euch deshalb auch schon die Frage gestellt, ob nicht andere Möglichkeiten existieren. Ich habe mich auf die Suche gemacht…

Plastikbaum als Lösung?

Utopia sieht den Plastik-Weihnachtsbaum nicht als Alternative zur Tanne oder Fichte, da dieser schließlich aus Kunststoff besteht, einstaubt und dann doch recht schnell im Müll landet. Und sollte er dann verbrannt werden, ist dies natürlich katastrophal, zumal ein echter Baum kompostiert werden könnte. Dennoch: Belege, wie viele solcher Exemplare jährlich weggeworfen werden, gibt’s nicht.

Dieser kleine Plastikbaum ist mittlerweile weit über 15 Jahre alt. Und er steht Jahr für Jahr an der gleichen Stelle. (Foto: Sven Wernicke)
Dieser kleine Plastikbaum ist mittlerweile weit über 15 Jahre alt. Und er steht Jahr für Jahr an der gleichen Stelle. (Foto: Sven Wernicke)

Abhängig von der Größe der Plastiktanne dauert es zwischen 15 und 20 Jahre, bis sich die Ökobilanz zugunsten eines künstlichen Baumes im Vergleich zu einem jährlich neu gefällten Baum ausfällt. Eine lange Zeit also, die ihr mit immer dem gleichen Exemplar auskommen „müsst“. Dass das an sich kein Problem ist, zeigen mir meine Eltern jedes Jahr zu Weihnachten.

Echt oder Plastik? Könnt ihr den Unterschied erkennen? (Foto: Deko Flower)
Echt oder Plastik? Könnt ihr den Unterschied erkennen? (Foto: Deko Flower)

„Falsche“ Weihnachtsbäume aus wiederverwerteten Materialen oder mit umweltfreundlicheren Ansätzen häufen sich, obwohl ich hier noch viel Potenzial für hippe Startups sehe. Firmen wie Deko Flower werben immerhin damit, dass ihre Kunst-Weihnachtsbäume aus 100% recyceltem PVC bestehen und 20 bis 30 Jahre halten. Hallerts wiederum verwendet das eigene PlasTip, die Bäume können eingeschmolzen und in neue Produkte verwandelt werden. Aber ja – so richtig „Öko“ ist das nicht.

Weihnachtsbaum mit Öko-Zertifikat

Es ist gar nicht so einfach, Weihnachtsbäume aus einem nachhaltigen, ökologischen Anbau zu finden. Doch natürlich sind sie längst erhältlich, sie tragen das EU-Bio-Siegel oder Kennzeichnungen von Bioland, Demeter und Naturland.

Ähnlich wie bei Lebensmitteln gibt’s auch hier einen kontrollierten Anbau, wichtig ist ebenso das FSC-Zertifikat. Das unterstreicht den nachhaltigen Ansatz und vor allem den Verzicht auf Pestizite oder mineralische Dünger. Die gefährden massiv Natur, Umwelt und die menschliche Gesundheit.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Weihnachtsbaum einige Zeit in der Wohnung steht, ist es ratsam, auf ein entsprechendes Siegel zu achten. Die Bio-Gewächse stammen in der Regel aus Wäldern mit Mischkulturen und einer natürlichen Pflege; beispielsweise durch Schafe. Und sehr viel teurer müssen sie auch nicht sein. Einige Unternehmen verkaufen sie in Onlineshops, darunter Pflanzmich.de oder Bio-Weihnachtsbaeume.com.

Besser ist es, nachhaltige Weihnachtsbäume regional zu erwerben. Stichwort: kurze Lieferwege. Die Umweltorganisation Robin Wood hat eine aktuelle Liste mit Händlern in eurer Umgebung parat. Feiner Service. Wer selber schlagen möchte, findet eine Christbaum-Map auf Propanta.de. Zwar ist diese Liste mit Anbietern bereits von 2017, aber sicherlich zum Großteil unverändert aktuell.

Kleine Info am Rande: Zehn Prozent der hierzulande verkauften Weihnachtsbäume stammen aus dem Ausland, vorrangig aus Dänemark und anderen Nachbarländern. Die in Deutschland sehr populäre, aber nicht heimische Nordmanntanne wird in einer Monokultur und meist mit Unterstützung von Kunstdüngern schnell herangezogen sowie über lange Strecken transportiert – teils Wochen und Monate vor dem eigentlichen Fest. Damit sie frisch bleiben, kommt wieder Chemie zum Einsatz. Es ist also nichts, was man künftig noch unterstützen sollte.

Weihnachtsbaum…mieten?!

Eine interessante Idee: Mietet euch einen lebenden Weihnachtsbaum im Topf. Die Preise liegen zwischen 75 Euro und 120 Euro, inbegriffen ist sogar die Abholung im Januar des folgenden Jahres. Das Unternehmen Paderbäumchen liefert bundesweit direkt vor die Haustür. Wer will, holt sich gleich eine fertig dekorierte Tanne. Für Wien und Umgebung, München und Graz ist GreenTree eine gute Anlaufstelle. Die Firma schickt die Bäumchen grundsätzlich nicht in weiter entfernte Regionen.

Bei Greentree wird jeder Baum direkt im Topf gezogen. (Foto: Greentree)
Bei Greentree wird jeder Baum direkt im Topf gezogen. (Foto: Greentree)

Eventuell lohnt es sich, auch einmal in lokalen Gartenmärkten nachzufragen, ob diese Bäume im Topf vermieten. Besitzt ihr einen Garten und möchtet euren Weihnachtsbaum später einpflanzen, ist der Kauf eines Baumes mit Wurzeln eine Überlegung wert. Achtet darauf, dass die Pflanze wirklich in einem guten Zustand ist und nicht schon über die Feiertage eingeht. Am besten, der Baum ist bereits im Topf herangewachsen.

Weihnachtsbaum selber pflanzen

Und eine Idee, die mir persönlich gut gefällt: Züchtet euren Christbaum doch selbst? Fangt mit einem Setzling an, der von Jahr zu Jahr bei hoffentlich guter Pflege gedeiht und immer größer wird. Die ersten Jahre sollte das weniger aufwändig und unproblematisch sein. Ab einer gewissen Größe muss er draußen bleiben oder gefällt werden. Denkt daran, besser auf echte Kerzen (Wachs schädigt die Nadeln) und Lametta zu verzichten.

Spendet euren Weihnachtsbaum, bevor er ein Baum wird. (Foto: bergwaldprojekt.de)
Spendet euren Weihnachtsbaum, bevor er ein Baum wird. (Foto: bergwaldprojekt.de)

Benötigt ihr nicht zwingend einen Christbaum, ist das Spenden eines Baums an einen deutschen Wald womöglich ein reizvoller Ansatz. Die Aktion „Weihnachtsbäume für den Wald“ stammt vom Bergwaldprojekt – Infos zu dieser bekommt ihr auf der extra eingerichteten Webseite.

Etwas andere Bäume

Noch immer nicht das Passende für euch dabei? Wie wäre es damit….?

Leider schon weg, da streng limitiert: Der Room In A Box-Weihnachtsbaum ist eine Zero-Waste-Konstruktion aus Wellpappe. Für jedes verkaufte Exemplar wurde sogar Geld gespendet. Und richtig gut sieht er auch aus. Schade, dass der Hersteller nur 30 Stück gefertigt hat. Die waren natürlich in Windeseile ausverkauft.

Ziemlich amüsant ist der 1,6 Meter hohe Weihnachtsbaum aus Buchenholz. Der ist nachhaltig und minimalistisch. 16 Äste lassen erkennen, dass das so etwas wie ein Baum sein könnte. Nur der Preis von über 200 Euro, den ihr bei Manufactum zahlen sollt, ist recht happig.

Sehr schön und außergewöhnlich ist zweifelsohne der Treedelux. Der handgefertigte Baum ist in verschiedenen Größen verfügbar – direkt beim Erfinder. Aus dem ähnlich gearteten Treedia ist ja leider nichts geworden.

Für welchen Weihnachtsbaum entscheidet ihr euch dieses Jahr?

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Über Sven

Dass es nicht nur alberne und eigentlich total überflüssige Gadgets gibt, möchte Sven mit GreenGadgets.de beweisen. Denn er ist davon überzeugt, dass auch kleine Ideen, Produkte und "Spielzeuge" die Menschen bereichern können. Abgesehen davon ist Sven als freiberuflicher Berater und Schreiberling tätig. Mehr über ihn gibt's auf Wernicke.net.


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