RECUP

Sind Coffee-to-go-Mehrwegbecher wirklich die Lösung des Problems?

11. Mai 2018 • 19:19 Uhr

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Sinnvoll oder keine Lösung für ein gar nicht mal so großes Problem? (Foto: RECUP)

Ein Mehrwegbecher-Pfandsystem für Coffee-to-go-Liebhaber? Das ist doch prima! Es ist umweltfreundlich und nachhaltig, die Müllmassen könnten ebenfalls reduziert werden. RECUP möchte eine Lösung parat haben. Aber reden wir hier wirklich über ein gravierendes Problem?

Die Idee klingt natürlich toll: Man benutze Mehrweg- statt Einwegbecher. Und schon entsteht nicht mehr so viel Müll. Doch nach kurzer Recherche kamen Fragen auf…

  1. Ist das Problem wirklich so groß, wie uns suggeriert wird?
  2. Sind Mehrwegbecher tatsächlich ökologischer?
  3. Kann so ein Pfandsystem sinnvoll funktionieren?

Sind Coffee-to-go-Becher ein großes Problem?

Laufe ich durch die Straßen einer Stadt, bekomme ich schnell den Eindruck, dass Einwegbecher für Kaffee allgegenwärtig sind. Nahezu jeder Bäcker verkauft Coffee to go, irgendjemanden sieht man immer mit Becher in der Hand. In Papierkörben und oft genug außerhalb von diesen liegen diese Pappbehälter herum. Es ist naheliegend zu denken, dass die Becher eine Riesenanteil am Verpackungsmüll einnehmen, schließlich werden in Deutschland 320.000 Becher pro Stunde verbraucht und nach kurzer Nutzungszeit weggeworfen. Die Zahlen der Deutschen Umwelthilfe ergeben eine Menge von zirka 40.000 Tonnen Kaffeebechermüll. Die Gesamtmenge an Verpackungsabfall für 2015 lag laut Umweltbundesamt dagegen bei 18,2 Millionen Tonnen. Das ergibt nicht mal ein halbes Prozent Anteil für die Kaffeebecher.

RECUP ist in zwei Größen erhältlich. (Foto: RECUP)
RECUP ist in zwei Größen erhältlich. (Foto: RECUP)

Selbst der komplette Verzicht auf Kaffee-Einwegbecher brächte also nicht wirklich viel hinsichtlich Verpackungsmüllreduzierung? Das mag sein, aber wie sagt man so schön: Auch Kleinvieh macht Mist! Und wenn ihr an diesem Punkt anfangt, weniger Müll zu produzieren, macht ihr vielleicht (hoffentlich!) an einem anderen Punkt weiter. Schauen wir mal, ob und wie RECUP dabei helfen kann.

Was ist Recup und wie geht das?

RECUP bedeutet Kaffee im schicken Mehrwegbecher, unter die Leute gebracht durch ein praktisches Pfandsystem. So beschreiben es die Erfinder, die reCup GmbH mit Sitz in München. Angefangen haben sie in Rosenheim, mittlerweile gibt’s Partner in ganz Deutschland. Die Vision ist ein flächendeckendes Angebot, um so den Kaffee im Einwegbecher für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen.

RECUP Becher mit Deckel (Foto: RECUP)
RECUP Becher mit Deckel (Foto: RECUP)

Der eigens dafür entwickelte Becher sieht hübsch aus. Es gibt ihn in zwei Größen (0,3 und 0,4 Liter) und er ist Made in Germany. Als Material wurde Polypropylen gewählt, also Plastik. Das klingt erstmal absurd: Plastik- und Pappbechermüll mit Plastik bekämpfen. Aber momentan wird es von RECUP als das nachhaltigste Material angesehen, hinsichtlich Langlebigkeit, Umweltbilanz und Komfort. Sie sind jedoch weiter auf der Suche nach einer sinnvollen Alternative, zum Beispiel aus Biokunststoff. Es ist ja nicht so, als gäbe es noch keine anderen Ansätze – siehe Pokito oder HuskeeCup.

Ihr erwerbt also euren Kaffee bei einem RECUP-Partner, über 900 sind das deutschlandweit derzeit. Alle Anbieter findet ihr in der RECUP-App, die für iOS und Android erhältlich ist. Der Becher kostet 1 Euro Pfand, außerdem ist der Kaffee billiger als im Einwegbecher. Wie viel? Das legt jedes Café selbst fest. Den Becher könnt ihr nach dem Kaffeegenuss bei jedem RECUP-Partner wieder zurückgeben. Dort wird er gespült und wiederverwendet. Laut RECUP ist das bis zu 500 Mal möglich.

Standardmäßig ist kein Deckel dabei. (Foto: RECUP)
Standardmäßig ist kein Deckel dabei. (Foto: RECUP)

Seit März 2018 sind passende, wiederverwendbare Deckel verfügbar. Diese sind jedoch käuflich zu erwerben und nicht Teil des Pfandsystems. In Zusammenarbeit mit Testern fanden die Verantwortlichen heraus, dass das Handling mit den Deckeln für die Cafébetreiber nicht praktikabel sei. Einfacher Einsatz und Handhabung ist RECUP jedoch sehr wichtig, um die Akzeptanz für das Pfandsystem zu erhöhen. Ferner ist nicht gewährleistet, dass die Deckel mit vertretbarem Aufwand hundertprozentig gereinigt werden können.

Ist das praktisch?

Beim Deckel fängt es dann schon an und ich überlege, ob das alles alltagstauglich ist. Diesen müsstet ihr immer dabei haben, sobald ihr ihn gekauft habt. Letztendlich ist das Gewöhnungssache, das Handy einzupacken schafft man ja auch. Ein geeignetes Behältnis bräuchtet ihr noch, denn wenn ihr den Becher direkt nach dem Trinken unterwegs wieder abgebt, bleibt euch der dreckige Deckel. RECUP empfiehlt, ihn bei Becherabgabe zumindest grob abspülen zu lassen und dann in eine kleine Zip-Tasche zu packen.

Ein RECUP im Einsatz (Foto: RECUP)
Ein RECUP im Einsatz (Foto: RECUP)

Tragt ihr den Becher bis nach Hause, müsst ihr ihn irgendwie verstauen, ohne die Tasche vollzukleckern. Mit Deckel drauf ist es wahrscheinlich unproblematisch, ohne Schutz bräuchtet ihr auch einen geeigneten Behälter. Welches im Optimalfall nicht die Einwegplastikwegwerftüte ist. Und dann müsst ihr den Becher beim nächsten Mal wieder mitnehmen. Oder es bilden sich mit der Zeit RECUP-Stapel in der Wohnung. Womit wir bei der nächsten Frage landen…

Sind Mehrwegbecher ökologischer?

Sie sind es auf jeden Fall nur, wenn sie auch wirklich oft wiederverwendet werden. Das wird am besten erreicht, wenn das Pfandsystem sehr engmaschig verfügbar ist und ihr den Becher schnell wieder loswerdet. Da scheint RECUP auf einem guten Weg zu sein. Wenn der Becher jedoch nur einmal verwendet wird und dann im Schrank landet oder irgendwann entsorgt wird, ist die Ökobilanz gegenüber Einwegbechern nicht besser. Genaue Studien zu diesem Thema existieren leider noch nicht.

Der Deckel - keine optimale Lösung. (Foto: RECUP)
Der Deckel – keine optimale Lösung. (Foto: RECUP)

Ein kleines “Problem” hat sich da RECUP quasi selbst geschaffen: Die Becher könnt ihr auch in hübschen Stadt-Editionen erwerben, zum Beispiel in Freiburg. Dort sind sie zum beliebten Souvenir geworden und gelangen damit zum Teil nicht mehr in den Mehrwegkreislauf zurück.

Definitiv sind die RECUPs besser recycelbar, da sie aus Polypropylen bestehen. Die Einwegbecher, auch wenn sie oft als Pappbecher bezeichnet werden, sind leider nicht nur aus Pappe und somit kein wiederverwertbares Altpapier, sondern innen in der Regel beschichtet. Das ist quasi untrennbar, sodass der Einwegbecher, selbst wenn er in eine Recyclinganlage kommt, letztendlich aussortiert und verbrannt wird.

Und nun?

Grundsätzlich finde ich so ein Pfandsystem eine sehr gute Idee. Um zumindest ein wenig den Müllberg zu verkleinern und hoffentlich etwas in den Köpfen der Menschen zu bewegen. Es bedeutet eben wieder Umgewöhnung und weg von der Bequemlichkeit, was ich absolut begrüße. Denn Nachhaltigkeit ist selten bequem.

Attraktiv, aber... (Foto: RECUP)
Attraktiv, aber… (Foto: RECUP)

Trotzdem wäre mein Lösungsvorschlag: Nehmt euch einfach Zeit für einen Kaffee im Café und genießt ihn aus einer richtigen Tasse. Schluss mit dieser ewigen Huschhusch-alles-immer-und-überall-und-sofort-Hektik. Der Reiz, beim Autofahren oder Laufen an einem Pappbecherrand zu lecken oder einem Plastikdeckelloch zu nuckeln, um doch eigentlich ein Genussmittel zu sich zu nehmen, erschließt sich mir sowieso nicht. Und “Dafür habe ich keine Zeit” zählt nicht. Zeit für Facebook, Instagram und Co. (oder für das Lesen von grünen Blogs 🙂 ) findet man auch immer!

Muss es doch mal unbedingt der Unterwegskaffee sein, dann ist RECUP eine gute Alternative zum Wegwerfbecher.

Und jetzt erstmal einen Kaffee!

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Über Anne-Kathrin Gericke

Anne-Kathrin interessiert sich für nachhaltige Themen wie Zero Waste und bewussten Konsum und versucht, das Wissen im Alltag anzuwenden. Gerne möchte sie auch ihre Mitmenschen von diesen Ideen überzeugen. Ansonsten arbeitet sie als Softwareentwicklerin, liebt die Fotografie und verreist sehr gern.


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