Kastanienzeit

Macht euer Waschmittel selbst!

2. Oktober 2017 • 22:41 Uhr

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Was man aus Kastanien so alles machen kann... (Anne-Kathrin Gericke)

Aesculus hippocastanum – im Moment liegt sie überall herum oder fällt einem gar auf den Kopf: die Gewöhnliche Rosskastanie. Schön glänzend braun ist sie, ich kann nur selten widerstehen und muss wenigstens eine aufheben und mitnehmen. Beim letzten Spaziergang sammelte ich allerdings gleich einen ganzen Beutel voll ein! Nein, ich habe jetzt keine Kastanienmännchenarmee im Wohnzimmer – ich mach mir mein eigenes Waschmittel!

Waschmittel statt Kastanienmännchen. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)
Waschmittel statt Kastanienmännchen. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)

Wieso das denn?

Über Waschmittel geraten viele Stoffe in das Abwasser, die bei der Wasseraufbereitung nur unzureichend abgetrennt werden können. Bei ökologischen Waschmitteln sieht das schon besser aus. Aber zum Beispiel auch vollständig abbaubare biologische Tenside (Tenside sind dafür verantwortlich, dass sich im Wasser der Schmutz löst) brauchen bis zu 28 Tage, bis sie zerfallen sind. In dieser Zeit belasten auch sie die Umwelt. Hinzu kommen dann noch die (oft aus Plastik bestehende)Verpackung und der Transport.

Und warum Kastanien?

Ihr kennt wahrscheinlich Waschnüsse. Diese werden in Indien traditionell zum Wäschewaschen verwendet und sind schon lange in Deutschland als biologisches Waschmittel erhältlich. Leider sind sie nicht sehr nachhaltig, da sie durch die stark gestiegene Nachfrage viel teurer geworden sind und sich die Einheimischen diese nicht mehr leisten können. Außerdem ist der Transportweg sehr lang. Die hier übliche Rosskastanie enthält genau wie die Waschnüsse Saponine (lat. sapo = Seife), sozusagen ein Tensid pflanzlichen Ursprungs. Und da sie vor der Haustür wächst, eignet sie sich hervorragend für ein nachhaltiges Waschmittel.

Nach dem Sammeln zerkleinern. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)
Nach dem Sammeln zerkleinern. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)

Wie geht denn das?

Am einfachsten und schnellsten geht es, wenn ihr einfach eine Handvoll Kastanien sammelt, diese abwascht, mit einem Messer viertelt und in Wasser einige Stunden einweicht, am besten über Nacht. Ihr seht ziemlich schnell, wie sich die Saponine herauslösen und eine seifige Flüssigkeit bilden. Diese muss nur noch durch ein feines Sieb oder ein Tuch abgegossen werden und kann dann wie Flüssigwaschmittel in das entsprechende Fach der Waschmaschine gegeben werden.

Alle Kastanien sind grob zerteilt. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)
Alle Kastanien sind grob zerteilt. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)

Um auch nach der Kastanienzeit noch mit Kastanien waschen zu können, stellt ihr euch ein Pulver oder Granulat her, was für längere Zeit aufbewahrt werden kann. Zuerst solltet ihr euch überlegen, wofür ihr das Waschmittel verwenden möchtet. Bei weißer Wäsche müssen nämlich die braunen Schalen entfernt werden, da sich sich Kleidungsstücke sonst verfärben. Für die ersten Versuche empfiehlt sich Buntwäsche, bei der die Schale dranbleibt. Wenn ihr vom Ergebnis überzeugt seid, probiert ihr die aufwändigere Variante ohne Schale aus.

Kastanien austrocknen lassen - gerne ein paar Tage lang. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)
Kastanien austrocknen lassen – gerne ein paar Tage lang. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)

So stellt ihr aus Kastanien euer Waschmittel her

Und so hab ich es gemacht: Wie beim „Spontanwaschmittel“  wusch ich die Kastanien zuerst und halbierte oder viertelte sie. Mit einem ordentlichen Küchenmesser geht das ganz gut und ist nicht allzu anstrengend. Das solltet ihr alsbald nach dem Sammeln machen, ansonsten trocknen die Kastanien recht schnell und werden hart. Die Kastanienstücke schredderte ich in einem Küchenmixer, so entstand eine Art Granulat. Ihr könnt sie auch in einer Kaffeemühle oder ähnlichem zerkleinern, dann wird es eher Pulver. Auf einem Backblech bei maximal 50 Grad Umluft im Backofen trockneten die Stücken ungefähr eine Stunde. Die Backofentür blieb ganz leicht geöffnet. Das Trocknen ist wichtig, da das Ganze sonst schnell schimmeln würde. Anschließend ließ ich das Blech noch ein paar Tage stehen und rührte immer mal alles durch, sodass die Kastanien wirklich richtig trocken waren. Dann konnten sie in Vorratsgläser abgefüllt werden.

So benutzt ihr das Waschmittel

Zum Herstellen des Waschmittels nehmt ihr ungefähr vier Esslöffel des Granulats und übergießt es mit zirka 200 ml lauwarmem Wasser. Nach maximal einer Stunde ist das Ganze einsatzbereit. Einfach durch ein Sieb oder Tuch in das Waschmaschinenfach füllen. Die Flüssigkeit sollte immer frisch hergestellt werden. Denn lasst ihr sie länger stehen, fängt die Lauge an zu gären und riecht unappetitlich.

Schon beim "Spontanwaschmittel" wird deutlich, wie schnell die Seifenlauge entsteht. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)
Schon beim „Spontanwaschmittel“ wird deutlich, wie schnell die Seifenlauge entsteht. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)

Wenn euer Wasser eher hart ist, solltet ihr noch einen Teelöffel Waschsoda hinzufügen. Dieses wirkt als Wasserenthärter und verstärkt die Reinigungswirkung.

Da ich zu Hause auch noch Lavendelblüten hatte, gab ich von diesen einen Esslöffel beim Einweichen dazu. Dadurch erhielt die Wäsche einen dezenten Geruch. Einen Duftstoff hinzugeben ist Geschmackssache, da könnt ihr gerne experimentieren.

Taugt das was?

Meine Wäsche wurde mit dem Kastanienwaschmittel angenehm frisch und sauber. Ich würde es nicht bei Flecken und stärkeren Verschmutzungen verwenden, das funktioniert nicht so gut. Aber für leicht verschmutzte Sachen, die lediglich aufgefrischt werden müssen, ist es bestens geeignet. Bei weißer Wäsche bin ich etwas skeptisch, da benutze ich weiterhin ein Waschpulver aus dem Bioladen.

Waschmittel könnt ihr auch mit Lavendel verfeinern. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)
Waschmittel könnt ihr auch mit Lavendel verfeinern. (Foto: Anne-Kathrin Gericke)

Die Herstellung dauert natürlich ein wenig, aber mir hat es Spaß gemacht. Vor allem auch das Aufsammeln.

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Über Anne-Kathrin Gericke

Anne-Kathrin interessiert sich für nachhaltige Themen wie Zero Waste und bewussten Konsum und versucht, das Wissen im Alltag anzuwenden. Gerne möchte sie auch ihre Mitmenschen von diesen Ideen überzeugen. Ansonsten arbeitet sie als Softwareentwicklerin, liebt die Fotografie und verreist sehr gern.


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