Liter of Light

Aus Plastikflaschen werden Solarlampen für Entwicklungsländer

26. Oktober 2016 • 13:53 Uhr

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Licht aus alten Flaschen. (Foto: Liter of Light)

Licht und Strom – für uns eine Selbstverständlichkeit. Aber über 1,5 Milliarden Menschen auf der Welt müssen auf diesen Luxus weitgehend verzichten. Eine kreative Hilfe sind die aus Plastikflaschen gefertigten Solarlampen von Liter of Light.

Liter of Light sieht sich als Bewegung, die bereits seit 2014 aktiv ist und mittlerweile über 650.000 Solarlampen in 20 Ländern der Dritten Welt verteilen konnte. Allerdings handelt es sich keineswegs um Geschenke, die nur durch Spendengelder „großzügiger“ Menschen in den Industrieländern  finanziert wurden. Vielmehr beginnt alles damit, dass Bewohner in Dörfern ohne Anbindung an ein öffentliches Stromnetz die Chance erhalten, kostenlos ein Tageslicht für ihre Hütten und Häuser zu erhalten.

Für die ärmsten Menschen der Welt. (Foto: Liter of Light)
Für die ärmsten Menschen der Welt. (Foto: Liter of Light)

Aus Tages- wird Nachtlicht

Besagtes Tageslicht entsteht durch alte Plastikflaschen, die mit Wasser und einem Bleichmittel zum Verhindern von Algenwachstum gefüllt sind. Diese werden in Häuserdächern verbaut und funktionieren ähnlich wie Spiegel. Das Sonnenlicht gelangt so in die eigenen vier Wände, wird durch das Wasser gebrochen und verteilt sich im Raum. Vergleichbar mit einer Glühbirne. Und das gratis. Sonst würden die Bewohner auf Kerzen, Elektrizität durch Dieselgeneratoren oder mit Öl betriebene Lampen zurückgreifen. Das erste Ziel von Liter of Light ist es, Kosten für die Lichterzeugung am Tag einzusparen – das sind im besten Fall immerhin 10 bis 15 US-Dollar pro Monat, was für die Menschen zum Beispiel in Afrika nicht irrelevant ist.

Öllampen lassen sich für rund 5 US-Dollar umrüsten. (Foto: Liter of Light)
Öllampen lassen sich für rund 5 US-Dollar umrüsten. (Foto: Liter of Light)

In der zweiten Phase sollen die Nutzer der Tageslampe davon überzeugt werden, auch in der Nacht eine Lichtquelle zu verwenden. Zu einem enorm niedrigen Preis (entspricht ungefähr den Kosten, die sie über den Monat gespart haben) können die nötigen Komponenten erworben werden, alle Teile sind lokal verfügbar. Interessierte bauen sich die Leuchten selbst zusammen, legen Leitungen in der Wohnung und erfahren somit auch, wie sie im Zweifelsfall in der Lage sind, die Lampen zu reparieren. Zusätzlich möchte man mit einfachen Anleitungen und Hilfen betroffene Menschen dazu animieren, selbst aktiv zu werden, Lampen herzustellen und diese vielleicht zu verkaufen.

Mit Straßenlaternen gegen Kriminalität

Selbst habe ich zuvor nichts von Liter of Light gehört und finde den Ansatz clever: Bewohner in Dörfern erhalten simple Lösungen für reale Probleme. Es fehlt an Elektrizität und sauber produziertes, kostengünstiges Licht. Und genau dort setzt das Projekt an. Eine Solarlampe kostet eigenen Aussagen zufolge nur 3 US-Dollar in der Herstellung, sogar Straßenlampen für ganze Ortschaften sind bezahlbar (25 – 30 US-Dollar). Ferner setzen die Verantwortlichen auf Transparenz, beispielsweise wird in YouTube-Videos erklärt, wie man sich passende Lämpchen bastelt.

Auch die Straßenlaternen bestehen aus Wasserflaschen. (Foto: Liter of Light)
Auch die Straßenlaternen bestehen aus Wasserflaschen. (Foto: Liter of Light)

Was nebenbei erwähnt auch erstaunt: Laut Illac Diaz, Mitbegründer von Liter of Light, sank die Kriminalitätsrate um bis zu 70 Prozent in den Dörfern und sogar Flüchtlingslagern, in denen das Konzept aktiv genutzt wird. Und einen weiteren, sehr viel entscheidenderen Vorteil sollte niemand übersehen: Mit Licht können sich Menschen im Dunkeln Wissen aneignen, sich weiterbilden, mehr aus ihrer Lebensituation machen und den Tag bzw. Abend effektiver gestalten. Die Mittel und Möglichkeiten sind da.

Weitere Einzelheiten zu Liter of Light erhaltet ihr auf der offiziellen Webseite. Tutorials findet ihr als PDF oder bei Instructables.com.

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Über Sven

Dass es nicht nur alberne und eigentlich total überflüssige Gadgets gibt, möchte Sven mit GreenGadgets.de beweisen. Denn er ist davon überzeugt, dass auch kleine Ideen, Produkte und „Spielzeuge“ die Menschen bereichern können. Abgesehen davon ist Sven als freiberuflicher Berater und Schreiberling tätig. Mehr über ihn gibt’s auf Wernicke.net.


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